Kreistagsfraktion Alzey-Worms
Kreisverband Alzey-Worms

Klaus Becker
Hindenburgring 34
55237 Bornheim
Fraktionssprecherin:
Elisabeth Kolb-Noack
Dalbergstr. 32
67596 Dittelsheim-Heßloch
Kemal Gülcehre
Langstraße 24
55232 Alzey
Birgit Thörle

Burgunderstr. 72
55291 Saulheim

Die Fraktion besteht aus:

Aus der Kreistagsarbeit

Themen:  

Ist Mensaessen DGE-zertifiziert?
(Anfrage; 11.04. 2010; Download)

Trinkwasser an Schulen
bereit stellen

(Antrag; 11.04. 2010; Download)

Energiepolitik:
Anhörung mit EDG beantragt
Kreistag, 15.12. 2009;
(Antrag angenommen)

Haushalt 2010:
Haushaltsrede
Kreistag, 15.12. 2009

Anfrage:
Waffen in Privatbesitz
(Anfrage vom 26.03.2009

Neuer Skandal
auf der Deponie
(Presseerklärung 29.04. 2009)

Anfrage zu Bauschutt
auf der Deponie Framersheim
(Anfrage vom 22.03.2009)

Antrag auf Erhaltung
des Schulgartens
(Vom 23.02.2009, Download
PDF-Datei, 80 kb)

Antrag Recycling
von CDs u. DVDs
(Vom 23.02.2009, Download
PDF-Datei, 80 kb)

Anfrage zur
Trinkwasserqualität
(Vom 23.02.2009; Download
PDF-Datei, 730 kb)

"Vertrag mit 
Hinkel kündigen"
(Presseerklärung 12.02.2009)

Neue Mensa &
alter Garten? - das passt!
Infoveranstaltung am 10.02.09

Anfrage "Partizipationsmodelle
für Kinder und Jugendliche
(Schreiben Kreisverwaltung 24.11. 2008)

Kreistagssitzung
16.12.2008

Kreistagssitzung 30.09.2008

Mensaneubau:
Schulgarten erhalten

(Juni 2008)

Stellungnahme zum
Abfallwirtschaftskonzept

(Kreistag 17.06. 2008)

Gesundheitspolitik:
Chancengleichheit für
Kinder herstellen

(Kreistag 17.06 2008)

Schülerbeförderung
verbessern

(Kreisausschuss 17.06 2008)

Haushalt 2008:
Rekordverschuldung

geblieben

Haushalt 2005:
Haushalt in weiten
Teilen spekulativ

Haushalt 2004:
1) „Landesmeister
im Schuldenmachen“

2) Haushaltsrede
3) Gegen
Parteifinanzierung

Haushalt 2003:
1) Haushaltsrede
2) Nachtragshaushalt

Haushalt 2002:
1) Haushaltsrede
2) Pressemitteilung
2) Nachtragshaushalt

Haushalt 2001:

Haushaltsrede
Nachtragshaushalt 2001

Auftragsvergabe
an Maatwerk

Stiftung Kultur

Zwischenlager Biblis

Zuckerfabrik Offstein

Kinderarmut (1)
Anfrage der Kreistagsfraktion

Kinderarmut (2)
Antwort der Verwaltung

Kinderarmut (3)
Stellungnahme
zur Antwort der Verwaltung

Fusion der
Sparkassen




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Gesundheitliche Chancengleichheit

von Kindern und Jugenlichen

Antrag vom 28.05. 2008

Sehr geehrter Herr Landrat,

der am 21.05.2008 vorgestellte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung bestätigt erneut den engen Zusammenhang zwischen sozialer Lage, gesundheitlicher Verfassung und gesellschaftlicher Chancengleichheit. Nachgewiesen wird, dass insbesondere Kinder mit Migrationshintergrund, Kinder getrennt lebender Eltern, Kinder von Arbeitslosen und Kinder im Bezug von Grundsicherungsleistungen ein deutlich höheres Krankheits- und Unfallrisiko haben als der gesellschaftliche Durchschnitt. Hierbei spielen Fehlernährung, unzureichende Gesundheitsprävention, fehlende Aufklärung, und mangelnde Hygiene eine große Rolle. Zusammen mit einem oft wenig förderlichen Lebensumfeld trägt die gesundheitliche Verfassung sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher erheblich zur schulischen und beruflichen Chancenungleichheit bei.

Auch der UNICEF-Bericht vom 26.05.2008 zur Lage der Kinder in Deutschland sieht eine wachsende Kluft "zwischen Kindern, die gesund, abgesichert und gefördert aufwachsen, und solchen, deren Alltag durch Hoffnungslosigkeit, Mangel und Ausgrenzung" gekennzeichnet ist.

Die Bundesregierung fordert daher eine "Strategie zur Förderung der Kindergesundheit", die die Chancengleichheit für Kinder unabhängig von sozialer oder kultureller Herkunft gewährleisten soll.

Auch der Landkreis Alzey-Worms ist Träger des öffentlichen Gesundheitswesens. In diesem Zusammenhang werden u.a. regelmäßig gesundheitliche Einschulungsuntersuchungen an Kindern vorgenommen. Hinzu kommen viele andere, insbesondere auch präventive, Aufgaben im Zusammenhang mit der gesundheitlichen Förderung von Kindern und Jugendlichen. Wir gehen daher davon aus, dass dem Gesundheitsamt des Landkreises eine umfassende Datenbasis zur Beurteilung der Kindergesundheit in der Region zur Verfügung steht. Diese könnte die Grundlage zur Entwicklung einer Strategie des Landkreises zur Förderung gesundheitlicher Chancengleichheit sein.

Wir beantragen daher:

Der Kreistag beauftragt die Verwaltung auf der Grundlage der Einschulungsuntersuchungen der vergangenen 5 Jahre sowie ergänzenden Datenmaterials einen Bericht über die gesundheitliche Lage von Kindern und Jugendlichen im Landkreis Alzey-Worms zu erarbeiten und dem Kreistag vorzulegen.

Der Bericht soll enthalten:

  • Befunde, Handlungsbedarf und empfohlene Maßnahmen
  • Gesundheitsstörungen unter besonderer Berücksichtigung der Sozialstruktur (soziale und kulturelle Herkunft, wirtschaftliche Lage)
  • Ergebnisse der Vorsorge- und Einschulungsuntersuchungen nach Sozialstruktur
  • Handlungsempfehlungen für ein Konzept zur Förderung gesundheitlicher Chancengleichheit im Landkreis“

Teilweise könnte sich der beantragte Bericht am Muster des Landkreises Rügen orientieren. Die entsprechende Publikation fügen wir diesem Antrag bei.

Zugleich fügen wir als Anlage einen Verweis auf eine Internetplattform der "Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung" (www.gesundheitliche-chancengleichheit.de) bei, auf der sich Praxisbeispiele zur Gesundheitsförderung sozial Benachteiligter im kommunalen Bereich finden lassen.

Wir würden uns freuen, wenn unser Antrag alsbald im Kreistag behandelt werden könnte.

Mit freundlichen Grüßen,

Klaus Becker,

Kreistagsfraktion

Bündnis 90 / DIE GRÜNEN

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Schülerbeförderung an Bedarf anpassen

Antrag vom 07.02. 2008

Sehr geehrter Herr Landrat,

auch im Landkreis Alzey-Worms wächst die Vielfalt der Familienformen und des Zusammenlebens mit Kindern. Zunehmend leben Eltern getrennt und ergänzen sich in der Wahrnehmung ihrer Erziehungsaufgaben.

Dies bringt es mit sich, dass Schüler und Schülerinnen nicht immer von gemeldeten Hauptwohnsitz zur Schule fahren, oder dass sie nach der Schule den Haushalt des anderen Elterteils aufsuchen. Dies ist vor allem beim so genannten "Wechselmodell" der Fall, in dem sich getrennt lebende Eltern die Betreuung von Kindern teilen. Auch Erkrankungen des Elternteils, bei dem ein Kind überwiegend wohnt, führen oft dazu, dass Kinder den Schulweg vom / zum anderen Elternteil antreten.

Hinzu kommt, dass im Fall berufstätiger Eltern häufig an Nachmittagen und an schulfreien Tagen die vielfältigen Betreuungsmöglichkeiten genutzt werden, die der Landkreis bereithält. Diese Betreuungsmöglichkeiten liegen nicht immer in unmittelbarer Nähe der Schule bzw. des elterlichen Haushalts, so dass öffentliche Verkehrsmittel genutzt werden müssen.

Die Satzung des Landkreises für die Schülerbeförderung sieht derzeit lediglich vor, dass die Inanspruchnahme öffentlicher Verkehrsmittel zwischen Hauptwohnsitz und Schule ermöglicht wird. Diese Regelung wird vielen Familien nicht gerecht. Auch Erweiterungen der Fahrausweise (Verbundkarten) lösen das Problem nicht, da diese wegen ihrer tageszeitlichen Beschränkung nicht in der Schülerbeförderung verwendet werden dürfen.

Wir beantragen daher die Satzung dahingehend zu ändern, dass die Schülerbeförderung auch von bzw. zu einem vom Hauptwohnsitz abweichenden Ort ermöglicht wird.

Alternativ beantragen wir, mit den Verkehrsverbünden eine Vereinbarung zu treffen, nach der Verbundfahrkarten auch eine Gültigkeit in der Schülerbeförderung erlangen.

Wir würden uns freuen wenn unser Antrag alsbald im Kreistag behandelt werden könnte.

Mit freundlichen Grüßen,

Klaus Becker,

Kreistagsfraktion Bündnis 90 / DIE GRÜNEN



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Stellungnahme zum Haushalt 2008

Von Klaus Becker

Als ich mich vor einigen Tagen anschickte diese Stellungnahme zum Haushalt 2008 zu verfassen, gesellte sich mein jüngster Sohn zu mir. Meiner Mimik muss er wohl entnommen haben, dass das womit ich mich gerade beschäftigte nicht wirklich von Freude geprägt war. Er studierte die zahlreichen Stichworte und die (nicht nur in den Augen eines Kindes) schwindelerregenden Zahlen.

Sein Interesse bemerkend, versuchte ich ihm die Schwierigkeiten eines Haushalts zu erklären, und verwies auf die hohe Verschuldung des Landkreises. Ich erntete ungläubiges Staunen. „Warum macht Ihr so was?“  Eine einfache Frage – eine schwierige Antwort.....

Bei meinem Versuch kindgerechte Antworten zu finden, bemerkte ich, dass ich mich aus seiner Sicht nicht wirklich davon freisprechen konnte über all die Jahre mit der einen oder anderen Zustimmung meinen Beitrag zum desolaten Zustand der Kreisfinanzen geleistet zu haben.

Klar, da waren auch Andere, die mitgedreht, die den Landkreis mit der Vielfalt seiner kostenträchtigen Aufgaben im Stich gelassen haben. Da ist der Bund, der gerne bestellt, und andere die Zeche zahlen lässt (Wohngeld – KdU). Da ist das Land, das gerne Aufgaben delegiert hat, ohne die Mittel dazu mitzuliefern; das das Konnexitätsprinzip durch die Konstruktion neuartiger Aufgaben für die Landkreise umgeht; das eine Finanzlage seiner Kreise zulässt, wie sie bundesweit ihresgleichen sucht; das seinen Haushalt saniert auf Kosten kommunaler Gebietskörperschaften.

„Warum lasst Ihr Euch das gefallen?“ war die nächste Frage, mit der mich mein Sohn konfrontierte. Schon wieder so eine einfache Frage – schon wieder so eine schwierige Antwort.....

Ich muss gestehen, dass ich mich mehr oder weniger um die Antwort herumgedrückt habe. Sie hätte wohl sein Vertrauen in die väterliche Autorität hinreichend erschüttert. Deshalb gebe ich sie gerne weiter in unsere heutige Runde, und denke, dass wir in der Aussprache über die vorgesehene Resolution darauf zurückkommen werden.

„Und was macht Ihr jetzt?

Während ich noch um eine weitere Antwort rang, entlastete er mich zunächst mit der Nachfrage „Wer bezahlt das?“.  Nun sind die eigenen Schulden ja in den Augen eines Kindes gerne mit der Hoffnung verknüpft, dass am Ende doch die Eltern ein wenig unter die Arme greifen und die Sache am Ende schon irgendwie richten. Die Eltern des Landkreises? Da musste ich ihn wohl enttäuschen. Irgendwie sind wir in dieser Hinsicht ja vollwaise.

Allen Illusionen abschwörend, erklärte ich meinem Sohn, dass es in diesem Fall wohl eher die Kinder sind, die für die Schulden der Eltern gerade stehen müssen.

Nach einem Moment des Schweigens kam eine naive aber klare Antwort: „Nein“.

Und diese Antwort lasse ich zum Schluss meines einleitenden Exkurses jetzt einfach einmal so stehen. Wir sollten vielleicht öfter darüber nachdenken.

Ich will es Ihnen im folgenden ersparen alle Eckdaten des Haushaltsentwurfes hier noch einmal zu nennen. Sie sind Ihnen bekannt, und meine Vorredner haben sie mehrfach angesprochen.

Klar ist:

  • An der Rekordverschuldung hat sich nichts geändert. Wir haben die höchste Pro-Kopf-Verschuldung der Landkreise in Rheinland-Pfalz. Wir sind Spitzenreiter. Ein zweifelhafter Ruhm..

  • Ein Ende ist nicht in Sicht. Weitere und zusätzliche Ausgaben im Bereich Jugend und Soziales (+873T€), für Schulbauten (aktuell der Neubau der Sonderschule und die Erweiterung der Gymnasien), in der Bauunterhaltung (+773T€) in der Schulverwaltung (jetzt 9,3Mio.€) und für Zinsen (+598T€) kommen auf uns zu.

  • Wir stehen mit dem Rücken zur Wand. Der in der Presse zitierte Begriff des „Finanzkollaps“ gewinnt zunehmend an Konturen: nämlich in der drohenden Handlungsunfähigkeit.

Das Land saniert sich seit den 90er Jahren auf Kosten der Kommunen. Nirgendwo in Deutschland ist die Lage der Landkreise so desolat wie in Rheinland-Pfalz. Die Kassenkredite je Einwohner  sind bei den rheinland-pfälzischen Landkreisen fast doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt (189€ gegenüber 99€). Diesbezüglich gehört Beck und der Landesregierung die rote Karte gezeigt, - über die Fraktionsgrenzen hinweg.

Dabei ist die Finanzlage innerhalb der „kommunalen Familie“ durchaus unterschiedlich. Die eigentliche Dramatik findet sich dort, wo Leistungen der Grundsicherung, regionale Infrastrukturmaßnahmen und das Gros der Schulträgerschaften angesiedelt sind, nämlich bei den Landkreisen. Wir sehen ein massives Problem in der horizontalen Streuung der kommunalen Einnahmen. Schauen wir uns die Entwicklung der Kassenkredite der kommunalen Gebietskörperschaften in RLP nach der Schuldenstatistik von 2000 bis 2006 an, dann stellen wir fest, dass diese bei den kreisfreien Städten um 338% gestiegen sind. Bei den kreisangehörigen Gemeinden und Verbandsgemeinden sind es 356%. Bei den Landkreisen sind es 1136%! (Quelle: Stat. Landesamt). Da hilft auch kein kommunaler Finanzausgleich, zumindest nicht in seiner heutigen Struktur.

Die insgesamt Besorgnis erregende, aber doch sehr ungleiche Entwicklung relativiert die vorgesehene Erhöhung der Kreisumlage um 1,2%. Es geht nicht darum den ihrerseits nicht gerade wohlhabenden Ortsgemeinden in die Tasche zu greifen. Es geht um einen fortgesetzten Finanzausgleich, um einen Ausgleich für die immer größeren Lasten, die der Landkreis auch und gerade für die Ortsgemeinden und deren  Bürgerinnen und Bürger zu tragen hat. Die Erhöhung der Kreisumlage ist konsequent und richtig. Sie ist den Ortsgemeinden insgesamt zuzumuten, fällt ausgesprochen moderat aus, und korrespondiert teilweise mit der Senkung der Verbandsgemeindeumlage. Die Erhöhung hätte aus unserer Sicht, gerade in Ermangelung eigener Einnahmen des Kreises, durchaus höher ausfallen können. Im Übrigen: Kann es sich der am höchsten verschuldete Landkreis in Rheinland-Pfalz erlauben eine unterdurchschnittliche Kreisumlage zu erheben? Ich sage: nein..... Jetzt werden wir um 0,4% über dem Durchschnitt liegen. Das ist für uns gerade so akzeptabel.

Was ist zu tun? Die Landkreise müssen sich lautstärker und öffentlichkeitswirksamer zu Wort melden. Da kann die heutige Resolution nur ein Einstieg sein. Es muss ein unüberhörbarer Protest werden, und ich sage es gerade auch an die Adresse der SPD: Dieser Protest muss parteiübergreifend sein, um Wirkung zu erzielen.

Dabei geht es nicht nur um eine Novellierung des Finanzausgleichs. Es geht auch um die Quote der Landesbeteiligung an sozialen Pflichtleistungen des Landkreises wie etwa bei den Personalkosten der Kinderbetreuungseinrichtungen.

Was können wir noch tun?

Weiteren Kostensteigerungen entgegenwirken.

Wir müssen davon ausgehen, dass die Zinsbelastungen in den kommenden Jahren kontinuierlich steigen werden. Der Kreditmarkt ist vielschichtig und in ständiger Bewegung. Er bedarf der professionellen Handhabung. Ich will hier nicht die Kompetenz unserer Finanzabteilung bezweifeln. Sie hat gerade erst wieder im Rahmen der Doppikumstellung ihr Können bewiesen. Dennoch sollten wir darüber nachdenken, ob wir uns nicht dem Beispiel Anderer folgend professionelle Hilfe der Finanzberatung einkaufen sollten.

Wie beim Kreditmarkt verhält es sich auch mit der Gesellschaft. Ständige Bewegung, neue Entwicklungen, demographischer Wandel, neue Familienformen usw. stellen eine gewaltige Herausforderung dar, der wir ebenfalls professionell begegnen müssen. Sonst zahlen wir eines Tages eine Zeche, die der Landkreis gar nicht mehr schultern kann. Gießkanne war gestern. Ein achselzuckendes „Sind doch nur Pflichtaufgaben ohne Steuerungsmöglichkeit“ muss auch von  gestern sein. Professionelle und vernetzte Sozialplanung heißt das Zauberwort. Ich weiß, Sie kennen das schon von mir. Ich sage es trotzdem jedes Jahr wieder. Vielleicht denken wir alle ja doch eines Tages ernsthaft darüber nach....

Dabei haben wir gute Bausteine: Schulentwicklungsplanung, Jugendhilfeplanung und Pflegehilfebedarfsplanung haben ein hohes Niveau. Machen wir da weiter. Wir unterstützen auch ausdrücklich den Wunsch des Integrationsbeirats nach einem Integrationskonzept für Migranten im Landkreis. Bei einem Anteil von 27% Migrationshintergrund bei den Minderjährigen in Rheinland-Pfalz und einer inzwischen im Rentenalter angelangten ersten Einwanderergeneration ist ein solches Konzept überfällig.

Bei der Bauunterhaltung und  im Energiebereich laufen uns die Kosten davon. Ein neues Energiemanagement ist gefragt. Wir begrüßen erste Kooperationen mit der kommunal getragenen Energie-Dienstleistungsgesellschaft. Haben wir den Mut diesen Weg weiter zu gehen, die Kooperation zu vertiefen und uns zu beteiligen. So können wir Kostensteigerungen auf diesem Gebiet entgegenwirken.

Ressourcen nutzbar machen

Bei Überschuldung stellt sich immer auch die Frage nach dem „Tafelsilber“, das zum Schuldenabbau verwendet werden könnte. Hier haben wir nicht viel zu bieten, und bis wir aufgrund des demographischen Wandels an die Veräußerung von Schulen denken können wird (zum Glück) noch einige Zeit ins Land gehen.

Dennoch haben wir Ressourcen, die wir nutzen können. Wir regten es schon einmal an die zahlreichen und großen Dachflächen des Landkreises zur Energiegewinnung zu nutzen. Wenn wir hier aufgrund der Haushaltslage schon nicht selbst investieren können, dann sollten wir eine Vermietung der Dachflächen ins Auge fassen. Den damals geäußerten Hinweis, dass sich dies nicht rechne, können wir nicht gelten lassen. Was sich im privaten und gewerblichen Bereich als profitabel erweist, das rechnet sich für den Landkreis allemal, und gibt zudem ein positives Signal in Richtung energiepolitisch wünschenswerter Investitionen.

Erinnern möchte ich in diesem Zusammenhang auch noch einmal an unsere vor Jahren viel zu schnell zu den Akten gelegte Anregung, ein Solarprogramm in Kooperation zwischen Wirtschaftsförderung, Kreditinstituten und dem örtlichen Handwerk zu entwickeln. Hier waren andere Landkreise erfolgreich. Umwelt, Wirtschaftskraft und Arbeitsmarkt haben gleichermaßen davon profitiert.

Weiterhin nach Einsparungspotentialen suchen

Hier halten wir unsere Möglichkeiten für sehr beschränkt. Seit Jahren durchforsten wir unseren Haushalt unter diesem Gesichtspunkt, und werden dies auch weiterhin tun.  Freiwillige Leistungen sind zu Peanuts geschrumpft.

Eine Ausnahme stellen die Zuschüsse für Erwachsenenbildung und Kreismusikschule dar. Hier sind wir grundsätzlich der Auffassung, dass das, was für freigemeinnützige und gewerbliche Träger der außerschulischen Jugend- und Erwachsenenbildung gilt, auch für die öffentliche Trägerschaft gelten muss. Kommunale Zuschüsse halten wir nur dann und dort für angebracht wo es im weiteren Sinne um die gezielte Kulturförderung geht, sowie darum Bildungsangebote für Bevölkerungsgruppen zu erschließen, die diese sonst nicht in Anspruch nehmen könnten.

Im Stellenplan sehen wir im Gegensatz zu anderen Fraktionen keine Einsparungsmöglichkeiten. Die Kienbaum-Untersuchung hat dies eindrucksvoll bestätigt. Neue Stellen im Kindesschutz und in der Schulsozialarbeit waren überfällig, und unterstützen gleichzeitig unsere Kostendämpfungsbemühungen in der Jugendhilfe. Weitere Privatisierungen sehen wir kritisch. Die uns vorgelegte Studie hierzu überzeugt uns nicht wirklich. Gerade der qualitative Aspekt hätte hier mehr Beachtung finden müssen. Es hat seinen Grund, weshalb andere Landkreise Rekommunalisierungen etwa im Reinigungsbereich oder bei der Müllabfuhr ins Auge fassen und umsetzen.

Positiv sehen wir dagegen engere Kooperationen und die gemeinsame Wahrnehmung von Aufgaben mit anderen Gebietskörperschaften. Die gemeinsame BaföG-Stelle in Ingelheim ist ein solches Beispiel. Auf diesem Weg interkommunaler Kooperation sollten wir weitermachen.

Mit Sorge betrachten wir die anstehende Verwaltungsreform. Auch wenn sich die späteren Ergebnisse einmal kostendämpfend und effizienzsteigend auswirken sollten (etwa durch eine Konzentration der Schulträgerschaften bei entsprechendem Kostenausgleich); bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Unsere Sorge gilt gerade diesem weiten Weg, und dem unsicheren Handlungsrahmen hinsichtlich zu tätigender Investitionen. Wir brauchen hinreichende Handlungssicherheit! Wer steckt etwa heute noch nennenswerte Summen in eine Schule, deren Träger er morgen vielleicht nicht mehr ist? Hier fordern wir rasche Entscheidungen in grundsätzlichen Fragen, und sollten alle darauf drängen. Ewige Diskussionen sind Konjunkturbremse und  Kostenfaktor zugleich.

Auf diese Problematik werden wir möglicherweise schon bei der anstehenden Schulentwicklungsplanung stoßen, wobei wir diese bei Weitem nicht nur unter Kostenaspekten sehen. Es gilt vielmehr einen Beitrag zur Chancengleichheit zu leisten, und alle Schularten, ob traditionell gegliedert, kooperativ oder integriert in allen Bereichen des Landkreises gleichberechtigt verfügbar zu machen.

Die Umlagegrundlagen haben sich für unseren Landkreis positiv entwickelt. Im Ranking der rheinland-pfälzischen Landkreise sind wir von Rang 20 auf Rang 16 aufgestiegen. Gut so. Die Entwicklung zeugt von erfolgreicher Gewerbeansiedlung, zunehmend effizienterer Arbeitsmarktpolitik und allgemein positiver Konjunkturentwicklung.

Bei aller Freude müssen wir aber auch die Kehrseite sehen. Ein bescheidener Aufschwung mag angekommen sein. Es fragt sich nur wo. Bei vielen Menschen im Landkreis ist er nicht angekommen.

  • Über 500 Berechtigungsausweise für die Alzeyer Tafel sprechen eine andere Sprache.

  • Kinder gehen zum Schuljahresbeginn wochenlang ohne Bücher zur Schule weil Eltern nicht wissen wie sie die Schulbücher finanzieren sollen. Die traditionellen Lernmittelbeihilfen sind bei Weitem nicht kostendeckend, und 1,62 € für Büromaterial im Grundsicherungsregelsatz eines Kindes decken gerade mal die Kosten für einen Bleistift und einen Radiergummi im Monat.

  • Zahnlücken haben wieder Konjunktur; nicht nur bei Grundschülern, sondern bei Erwachsenen.

  • Erwerbslose tasten sich zum Bewerbungsgespräch, weil sie ihre Brille nicht bezahlen können. Früher wurden gebrauchte Brillen für Afrika gesammelt. Heute sammeln wir Brillen für Menschen, die mitten unter uns leben.

  • Die Zahl der Privatinsolvenzen bricht alle Rekorde.

  • Es gibt Unternehmen im Landkreis, die heften sich die Schaffung von Arbeitsplätzen an die Brust. Bei näherem Hinsehen erweist sich, dass die Zahl der einen Lebensunterhalt deckenden Arbeitsplätze halbiert wurde, um die dreifache Zahl an geringfügigen Beschäftigungen zu schaffen. Ich will hier keine Namen nennen, weil die Aufzählung mit Sicherheit nicht erschöpfend wäre. Wichtig ist es mir darauf hinzuweisen, dass diese Entwicklung den Unternehmen und vielleicht auch den Umlagegrundlagen hilft, nicht jedoch den Menschen und dem Landkreis. 630 Bedarfsgemeinschaften, die trotz Erwerbstätigkeit ALG II beziehen müssen, sprechen eine deutliche Sprache. Was der Landkreis hier mit der einen Hand und entsprechender Freude entgegen nimmt, das muss er mit der anderen Hand an Grundsicherungsleistungen wieder ausgeben. Letztlich hilft hier nicht allein ein gesetzlicher Mindestlohn. Vielmehr gilt es bei der Gewerbeansiedlung auch genau hinzuschauen. Es gilt zudem bei Vergaben des Landkreises der Tariftreue von Unternehmen strikte Beachtung zu schenken, und im Rahmen des vergaberechtlich Zulässigen auch Kriterien wie Ausbildungsleistung und  Umfang geringfügiger Beschäftigungsverhältnisse einzubeziehen.

Wenn wir schon bei der wirtschaftlichen Entwicklung des Landkreises sind. Die infrastrukturellen Rahmenbedingungen sind gut. Der Landkreis liegt günstig zwischen den Ballungsräumen, ist verkehrstechnisch einigermaßen erschlossen, und verfügt über ein vergleichsweise jugendliches und leistungsfähiges Reservoir an Arbeitskräften.

Dennoch ist die Wirtschaftskraft des Landkreises fragil.

Ein in den letzten Jahren zunehmend wichtiges wirtschaftliches Standbein stellt der Tourismus dar. Dieser hat im Jahr 2007  (gerade im Vergleich mit anderen Regionen in Rheinland-Pfalz) einen Einbruch erlitten, den es wettzumachen gilt. Wir begrüßen es sehr, dass nun wieder über Fremdenverkehrsämter vor Ort nachgedacht wird. Schon vor Jahren hatten wir davor gewarnt örtliche Anlaufstellen zu schließen, und die Mittel der Tourismusförderung nahezu vollständig der Rheinhessen-Information zur Verfügung zu stellen. Der erfolgreiche angeworbene Tourist oder Naherholungssuchende steht letztlich am Ziel seiner Reise ratlos vor verschlossenen Türen.

Tourismus und Naturschutz stehen in einem engen Zusammenhang. Nicht nur Weinkultur und Erlebnisangebote sind Ziele, die in Rheinhessen gesucht werden. Es ist gerade auch das Naturerlebnis, dass Naherholungssuchende und Tagestouristen anzieht. Gerne vertraut der Laie hier auf die Aussage, dass die Natur sich schon irgendwie selbst hilft. In unserer einer extensiven Pflege bedürftigen Kulturlandschaft ist diese Haltung fatal. Noch in zu vielen Bereichen unseres Kreises finden wir relativ ausgeräumte und von Monokulturen geprägte Landschaften. Dies wird gerade in dieser Jahreszeit besonders deutlich. Hier müssen wir ansetzen und Abhilfe schaffen, wenn wir nicht nur unsere eigene Lebensqualität steigern, sondern auch einen nachhaltigen Tourismus fördern wollen.

Fragil sind auch die infrastrukturellen Bedingungen für die Naherholung und vor allem für die mehr als 40.000 beruflichen Aus- und Einpendler. Hier geht es um unsere Anbindung an die Ballungsräume.

Wir sind uns einig, dass es angesichts stauträchtiger Autobahnverbindungen einer Stärkung schienengebundener Verkehre bedarf, um gerade unsere Anbindung an das Rhein-Main-Gebiet sicherzustellen. Der Ausbau der Strecke Alzey-Mainz ist überfällig.

Gelänge es darüber hinaus vorhandene oder neu zu schaffende S-Bahn-Verbindungen in unsere Region zu schaffen, dann würde sich mancher Gedanke an straßengebundene (und damit emissionsrelevante und landschaftszerstörende ) Rheinquerungen relativieren oder erübrigen.

Mit Freude haben wir die EU-Förderung aus dem Leader-Programm zur Kenntnis genommen. Auch im Rahmen dieses Projekts wird deutlich werden: Was wir erfolgreich vermarkten wollen, das müssen wir auch schützen, und in seinem Bestand fördern und ausbauen. Das gilt auch, und gerade für den engen Zusammenhang von Weinbau, Naturschutz und Fremdenverkehr.

Meine Damen und Herren, ich will zum Schluss kommen.

Die Umstellung auf die Doppik ist gewöhnungsbedürftig. Schön, dass wir für die Beratung in den Ausschüssen noch einmal kamerale Daten zur Verfügung hatten. Was wir im Hinblick auf die Doppik als Kreistagsmitglieder zu leisten haben, verblasst angesichts der Herausforderungen für unsere Finanzabteilung, der wir dieses Mal ganz besonders danken müssen. Dass da schon mal der gesamte Bauunterhalt unter den Tisch fiel, ist in Anbetracht der Umstände verzeihlich. Der Fehler wurde entdeckt und korrigiert. Lassen wir es so stehen..

Natürlich danken wir auch den anderen Abteilungen der Verwaltung und den anderen Fraktionen für die gute und faire Zusammenarbeit. Choleriker gibt es zum Glück nicht viele in unseren Reihen. Möge es so bleiben...

Wir werden dem Haushaltsplanentwurf zustimmen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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Haushalt 2005 in weiten Teilen spekulativ

Haushaltsrede in der Kreistagssitzung am 16. Dezember 2004

Sehr geehrter Herr Landrat, sehr geehrte Damen und Herren,

erlauben Sie mir einer näheren Bewertung des vorliegenden Haushalts einige Bemerkungen zu dessen Zustandekommen vorauszuschicken. Wir haben die diesjährigen Haushaltsplanberatungen wegen der Rahmenbedingungen in den zurückliegenden Wochen als sehr unbefriedigend empfunden. Da gab es Verzögerungen und Unsicherheiten auf Seiten des Landkreises, die insbesondere auf den Wechsel im Amt des Landrates zurückzuführen sind. Sitzungen sind entfallen. Tagesordnungspunkte dieser Sitzungen wurden zurückgestellt und zum Teil bis ins neue Jahr verschoben. Auch auf die Erstellung eines eigentlich notwendigen Nachtragshaushalts wurde verzichtet. Was die Umsetzung von Hartz IV im Landkreis anbelangt, fehlt uns nahezu jegliche Planungsgrundlage. Zurückzuführen ist dies nicht zuletzt darauf, dass die Verhandlungen mit der Arbeitsagentur über die Bildung einer Arbeitsgemeinschaft erst vor 3 Wochen aufgenommen wurden. Wir erinnern in diesem Zusammenhang auch an die von uns seit Jahren vorgebrachte Kritik an der unseres Erachtens unzureichenden Koordination der lokalen Arbeitsmarktpolitik zwischen Landkreis und Arbeitsämtern. Hätte es diese Berührungsängste nie gegeben, dann lägen wahrscheinlich schon heute Ergebnisse auf dem Tisch. Wir können nur hoffen, dass sich hier in der Zukunft eine neue Gesprächs- und Arbeitskultur entwickelt. Andere Landkreise und kreisfreie Städte waren und sind hier auf jeden Fall weiter, haben die Arbeitsgemeinschaften zum Teil gebildet und können damit auch auf einer ganz anderen Informationsbasis in die Haushaltsberatungen hineingehen. Man mag im verzögerten Verhandlungsbeginn auch Vorteile insofern sehen, als man sich an den Verhandlungsergebnissen Anderer orientieren könnte. Gleichwohl darf man aber auch die Nachteile nicht außer acht lassen, die sich unter anderem in den unsicheren Planungsgrundlagen für diesen Haushalt zeigen.

Der Haushaltsplanentwurf kam also unter Zeitdruck und unter Zugrundelegung lückenhafter Informationen zustande. Er ist in weiten Teilen spekulativ. Man kann ihn guten Gewissens eigentlich weder annehmen noch ablehnen. Dennoch gab es keine Alternativen. Auch die Verschiebung der Haushaltsberatungen ins kommende Frühjahr, hätte uns nicht wirklich weitergebracht. Es ist nicht damit zu rechnen, dass uns bereits im Frühjahr verlässlichere Daten für den Teilplan „Soziales" zur Verfügung stehen werden. Es blieb damit nur die Möglichkeit den Haushalt auf der beschriebenen unsicheren Grundlage zu erstellen und im kommenden Jahr einen frühzeitigen Nachtragshaushalt zu diskutieren.

Eines ist dennoch sicher: Wir haben es erneut mit einem Fehlbedarf von mindestens 8,9 Mio. € auf der Grundlage der jetzigen Planungen zu tun. Hinzu kommen Altfehlbeträge von 6,1 Mio. € aus Vorjahren, worin der Fehlbetrag des Jahres 2004 noch nicht enthalten ist. Die Verschuldung des Landkreises wird sich damit weiter erhöhen und zum Jahresende 2005 voraussichtlich den Stand von 75 Mio. € erreichen. Die vom Landkreistag veröffentlichte Schuldenstatistik sieht den Landkreis Alzey-Worms erneut als den Landkreis mit der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung in Rheinland-Pfalz. Waren es Ende 2003 noch 695 € so werden es Ende 2005 ca. 750 € je Einwohner sein.

Mehr Schulden entstehen vor allem durch Baumaßnahmen im Zuge der Einrichtung von Ganztagsschulen, durch die Einlösung von Verpflichtungsermächtigungen der Vorjahre sowie durch Ausgabensteigerungen im Einzelplan 4. Dabei haben wir noch Glück im Unglück, da die Umlagegrundlagen, vor allem wegen der Gewerbesteuern, gestiegen sind, was 2004 Mehreinnahmen bei der Kreisumlage bescherte. Dass die leichte Konjunkturbelebung den Arbeitsmarkt bei Weitem nicht erreichte zeigt sich zugleich in sinkenden Einkommensteuereinnahmen. Erfreulich ist, gerade auch vor dem Hintergrund der hohen Verschuldung, dass wir im laufenden Jahr bei den Zinsaufwendungen ca. 400.000 € einsparen konnten. Die Entscheidung jetzt langfristige Zinsbindungen anzustreben ist sicher richtig. Unterm Strich können wir feststellen, dass die Mehreinnahmen im Jahr 2004 die Mehrausgaben auch nicht annähernd decken konnten.

Vor dieser Gesamtsituation der Kreisfinanzen, aber auch angesichts der unklaren finanziellen Auswirkungen von Hartz IV halten wir Überlegungen über eine Reduzierung der Kreisumlage, wie sie von der CDU vorgeschlagen wird, für nicht angebracht. Wir haben nun einmal einen umlagefinanzierten Haushalt, und die Dienstleistungen des Landkreises für die nachgeordneten wie übergeordneten Gebietskörperschaften nehmen, gerade auch im Zuge von Hartz IV, eher zu als ab. So werden etwa die sozialgerichtlichen Vorverfahren zum SGB II in die Zuständigkeit der Kreisrechtsausschüsse fallen. Dies könnte ebenso zu personellen Engpässen in der Kreisverwaltung führen wie die Reform der Agrarpolitik, die die Bearbeitung der landwirtschaftlichen Betriebsprämien bei den Landkreisen und kreisfreien Städten ansiedelt. Somit sind die Zahlen, die den Forderungen nach Senkung der Kreisumlage zugrunde gelegt werden, aus unserer Sicht viel zu spekulativ.

Keiner weiß ob und wie die prognostizierten kommunalen Einsparungen durch Hartz IV von bundesweit angeblich 2,5 Mrd. € bei uns ankommen werden. Die Rede ist von 850.000 € Entlastung des Landkreises bei gleichzeitiger Mehrbelastung seiner Gemeinden von 890.000 €. Wie diese Zahlen zustande kommen, bleibt uns ein Rätsel. Haushaltsstellen zum SGB II sind im Haushaltsplanentwurf kaum enthalten. Sie müssen sich erst über die Absprachen mit der Arbeitsagentur, die ersten Erfahrungen mit dem Arbeitslosengeld II und den im SGB II enthaltenen kommunalen Verpflichtungen ergeben. Auch berücksichtigen die Überlegungen derzeit nicht, dass es zu personellen Einsparungen bei den Sozialabteilungen der Städte und Verbandsgemeinden kommen wird. Schließlich ist auch die Annahme, dass dem Landkreis 12,6 Mio. € an Unterkunftskosten beim Arbeitslosengeld II entstehen nichts als eine grobe Schätzung. Wir wissen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht einmal mit wie vielen Bedarfsgemeinschaften wir es überhaupt zu tun haben. Wir gehen von 2700 aus, die Arbeitsagentur spricht von 2240. Das wären immerhin 2,1 Mio. € Differenz bei den Unterkunftskosten. Bei derart vielen Unbekannten kann man beim besten Willen keine abschließenden Berechnungen anstellen.

Die angekündigten kommunalen Einsparungen über Hartz IV halten wir auch für ein Musterbeispiel dafür, wie vertikale Geldströme am Ende zu Rinnsalen verkümmern. Das Land Rheinland-Pfalz scheint hier die unrühmliche Rolle weiter zu spielen, die wir schon aus den zurückliegenden Jahren kennen. Wenn sich etwa beim Land aus dem Wegfall des Wohngeldes ca. 100 Mio. € an Einsparungen durch Hartz IV ergeben, so fragen wir uns erstens warum diese auf 64 Mio. € heruntergerechnet werden, und zweitens warum davon nur 18,6 Mio. € an die Kommunen insgesamt und 500.000 € an den Landkreis Alzey-Worms als Hartz IV-Ausgleichsmittel weitergegeben werden. Wie war das noch mit dem Konnexitätsprinzip??

Nach Angaben des Landkreistages haben andere Bundesländer, mit Ausnahme von Rheinland-Pfalz und Bayern beschlossen, zur Jahresmitte 2005 die tatsächlichen Einsparungen im Wohngeldbereich zu berechnen und vollständig an die Kommunen weiterzugeben.

Zu den Einzelplänen:

Beginnen wir gleich mit unserem Sorgenkind, dem Einzelplan 4. Hier haben wir zunächst ähnliche Entwicklungen in der Sozialabteilung und im Jugendamt. Während im Sozialbereich der Zuschussbedarf um 12,6 % gestiegen ist, steigt er im Jugendbereich 9,6 %. Haben wir beim Jugendamt über die Jugendhilfeplanung im Laufe der Jahre recht gute Steuerungsinstrumente entwickelt, so fehlen diese im Sozialbereich nach wie vor. Wir nehmen dies zum Anlass um erneut auf die Notwendigkeit einer übergeordneten Sozialplanung hinzuweisen, innerhalb deren Jugendhilfeplanung, Schulentwicklung, Pflegehilfebedarfsplanung und Seniorenplanung nur Teilbereiche darstellen können. Was wir brauchen sind Steuerungsinstrumente, die die vielfältige Verzahnung sozialer Arbeitsfelder berücksichtigen. Was auf der unteren Ebene durch sozialräumliche Planungsansätze versucht wird, das muss auf der übergeordneten Ebene durch einen Sozialplanungsstab koordiniert werden. Nur so können wir ungeachtet konjunktureller Entwicklungen das uns Mögliche zur Kostenminimierung tun.

Eine rasante Ausgabenentwicklung haben wir im Sozialbereich vor Allem bei der Pflege und bei der Eingliederungshilfe für Behinderte zu verzeichnen. Diese spielt sich immerhin in der Größenordnung von mehr als einer halben Mio. € ab. Es entsteht der Eindruck eines Fasses ohne Boden. Dies gilt umso mehr als diese Ausgaben vor dem Hintergrund des demographischen Faktors noch steigen werden. Begegnet werden kann dieser Entwicklung bei unveränderten rechtlichen Verpflichtungen nur durch Instrumente wie der „Hilfe nach Maß", dem Ersatz stationärer durch teilstationärer Angebote sowie durch ein intensives Zusammenwirken mit den freien Trägern der Wohlfahrtspflege. So wie es im Bereich der Jugendhilfe zum Teil schon gelungen ist mit den Anbietern sozialer Dienstleistungen neue Konzepte und Angebote zu entwickeln, so muss dies auch im Bereich Pflege und Eingliederungshilfe angestrebt werden. Warum nur ankaufen was der Markt bietet? Warum sagen wir dem Markt nicht auch welche Produkte wir wünschen?

Im Zuge der Neuordnung des Sozialgesetzbuches ist der gesamte Bereich des auslaufenden BSHG aus dem Einzelplan 4 herausgefallen. Hier ergeben sich auf den ersten Blick Einsparungen etwa dadurch, dass die Haushaltsstelle „Hilfen zur Arbeit" gestrichen wurde. Wir warnen an dieser Stelle jedoch eindringlich davor, dass sich der Landkreis im Hinblick auf die Sozialgesetzbücher II, III und XII allein auf wirtschaftliche Hilfen beschränkt und inhaltliche Gestaltungsmöglichkeiten aufgibt. Die Haltung: „ Mit dem Ende des BSHG geht uns das alles nichts mehr an" halten wir für fatal. Wir haben etwa die Befürchtung, dass sich der Landkreis aus einer lokalen Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik vollständig ausblendet, in der er , verglichen mit anderen Gebietskörperschaften, ohnehin nie richtig angekommen war. Vor Ort Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik aktiv mitzugestalten ist jedoch nicht nur eine Belastung. Es ist vielmehr eine Chance für den Landkreis, um Lösungen zu entwickeln, die der Struktur unserer Wirtschaft wie auch der vielschichtigen sozialen Problematik gerecht werden. Es kann und darf jetzt nicht Ziel der ARGE-Verhandlungen sein, Modelle Anderer zu kopieren, die Verrechnung von Leistungen zu klären und Zuständigkeiten aufzuteilen. Wir müssen uns vielmehr klar darüber werden, was wir eigentlich wollen.

Wir sehen dies durchaus auch im Zusammenhang mit der personellen Stärkung der Wirtschaftsförderungsgesellschaft, die wir ausdrücklich unterstützen. Wirtschaftsförderung ist für uns jedoch nicht denkbar ohne Beschäftigungsförderung, ...und umgekehrt. Diese enge Verzahnung muss uns bewusst sein. Sie unterstreicht die Notwendigkeit des Landkreises auch in den Verhandlungen mit der Arbeitsagentur und darüber hinaus inhaltlich Position zu beziehen. Es kann nicht sein, dass in Mainz, Saarbrücken und Nürnberg darüber entschieden wird wie die Arbeitsmarktpolitik im Landkreis Alzey-Worms aussieht.

Die unklare Positionierung des Landkreises, vor allem aber die verzögerte Bildung der Arbeitgemeinschaft, haben bei sozialen Einrichtungen und bei den Trägern von Eingliederungs- und Qualifizierungsmaßnahmen bereits zu ernsthaften und existenziellen Problemen geführt. Hier fehlte und fehlt der Ansprechpartner, herkömmliche Finanzierungsschienen sozialer Projekte brechen weg und Jeder verweist mangels übergeordneter Koordinierung auf die Zuständigkeit des Anderen. Hier droht eine Struktur wegzubrechen, die in 20 Jahren Arbeit von Seiten der Wohlfahrtspflege aufgebaut wurde. Es besteht zugleich die Gefahr, dass die von Seiten den Bundes im Rahmen einer 6 Mrd. €-Verpflichtungsermächtigung bereit gestellten Mittel von immerhin 1,04 Mio. € für den Landkreis Alzey-Worms nicht für die Sicherung solcher Strukturen eingesetzt werden können, für die sie seitens des Bundes gedacht sind. Da sind sie wieder, die vertikalen Ströme, die als Rinnsale dort ankommen wo sie eigentlich hin sollten. Wir sind froh, dass es letztlich auch durch die Mitwirkung des Landkreises gelungen ist, das eine oder andere Projekt zumindest so lange in seinem Bestand zu sichern, bis die Gründung der Arbeitsgemeinschaft vollzogen ist.

Im Jugendbereich finden unterschiedliche Entwicklungen in Kostensteigerungen ihren Ausdruck. So schlägt sich etwa die wirtschaftliche Gesamtsituation in der Übernahme von Kindergartenbeiträgen wie auch in der rückläufigen Erstattung von Leistungen durch Unterhaltspflichtige nieder. Mehrausgaben werden weiterhin durch steigende Fallzahlen in der ambulanten und stationären Jugendhilfe verursacht, nachdem die Zahlen über mehrere Jahre relativ konstant geblieben waren. In den Fallzahlen kommt die Kehrseite der demographischen Vorteile zum Ausdruck, die unser Landkreis noch durch die Wanderungsgewinne hat. Umgerechnet auf die vergleichsweise hohe Zahl von Minderjährigen im Landkreis Alzey-Worms relativieren sich Fallzahlen und Ausgaben wieder im landesweiten Vergleich . Insofern kann nicht der Vorwurf erhoben werden, dass etwa leichtfertig kostenintensive Maßnahmen veranlasst würden. Kostentreibend sind mit Sicherheit die hohen Pflegesätze auch in der Jugendhilfe. Inwieweit diese gerechtfertigt sind, steht auf einem anderen Blatt. Richtig ist jedoch die Überlegung, dass die Inanspruchnahme der billigsten Lösungen letztlich auch die teuersten sein können, da eine qualitativ hochwertigere Maßnahme die Verweildauer des Kindes oder Jugendlichen verkürzen und Mehrkosten in der Zukunft vorbeugen kann.

Erhebliche finanzielle Belastungen entstehen uns erneut durch Baumaßnahmen, und das vor allem im Schulbereich. Dabei ist es gerade vor dem Hintergrund der PISA-Studien notwendig in Ganztagsschulen zu investieren. Richtig auch die Entscheidung sich hier von Pavillon-Lösungen und anderem Flickwerk zu verabschieden und statt dessen langfristige Baulösungen zu schaffen. Zu fragen ist allerdings, inwieweit sich Stadt und Verbandsgemeinde bei den betroffenen Schulzentren mit Hauptschulen an den Baumaßnahmen beteiligen. Für begrüßenswert halten wir die Anregung den Haltestellenbereich am Schulzentrum Wörrstadt nachträglich mit einer Beleuchtung während des Winterhalbjahres zu versehen, wobei wir damit noch nicht am Ende der eigentlich notwendigen Maßnahmen zur Schulwegsicherung sind; vor allem im Bereich des ÖPNV.

Durch Umbau und Umnutzung anderer kreiseigener Gebäude entstehen ebenfalls hohe Kosten, die sich erst in vielen Jahren wieder durch Einsparungen amortisieren. Hier sollte versucht werden Mittel aus dem Investitionsstock des Landes zu bekommen. Auch gilt die Vorgabe, größte Sparsamkeit durch schlichte und strikt funktionale Baulösungen zu praktizieren. Es ist ausgesprochen ärgerlich, dass nach Baubeginn immer wieder Mehrkosten in beträchtlicher Höhe entstehen, so wie dies bei der neuen Schulturnhalle in Alzey durch ein fehlerhaft in Auftrag gegebenes Bodengutachten der Fall ist. In diesen, wie auch in anderen Fällen, ist zu prüfen, ob und wer für Versäumnisse und Mehrkosten haftbar gemacht werden kann.

Nicht hinzunehmen sind aus unserer Sicht auch die Kosten, die dem Landkreis dadurch entstehen, dass das Land mit der Reorganisation der Feuerwehrerstalarmierung offenbar nicht weiß, was es will. Erst galt es hohe Summen in die neue Leitstelle in Kirchheimbolanden zu investieren, jetzt entstehen die Kosten erneut durch die Verlagerung nach Mainz. Schon heute lässt sich prognostizieren, dass in den nächsten Jahren die Digitalisierung des Funkverkehrs anstehen wird. Das Innenministerium zwingt uns immer wieder durch kurzeitige Lösungen Haushaltsmittel in den Sand zu setzen. Wir sollten uns gemeinsam mit anderen Landkreisen dagegen wehren jetzt erneut in veraltete analoge Technik zu investieren und die Reorganisation der Leitstellen zurückzustellen bis die Frage der Digitalisierung geklärt ist.

Als GRÜNE schmerzt es uns besonders, dass die ADD Investitionen in Naturschutz und Landespflege zum Teil als freiwillige Leistungen wertet., und angesichts der Verschuldung des Landkreises beanstandet. Der Landkreis Alzey-Worms hat landesweit mit die höchsten Zuwachsraten bei Fremdenverkehr und Naherholung. Schon deshalb sollten wir deutlich machen, dass landespflegerische Maßnahmen in der Region Investitionen nicht nur in die Lebensqualität unserer Bürger, sondern auch in Infrastruktur und Wirtschaftskraft sind.

Zur Abfallwirtschaft:

Seit 2 Wahlperioden ist das magische Datum 1.06.2005 bekannt. Die Botschaft des Kreises lautete immer, „wir müssen handeln, ob wir wollen oder nicht." Man hat gehandelt, aber nur sehr einseitig, zum Wohle der GML.

Statt aus dem alten Vertrag mit MDF zunächst auszusteigen, oder zumindest diesen Vertrag neu zu gestalten, leistet man sich den Luxus zweier Verträge. Die Chance des Ausstiegs nach dem Sondermüllskandal im Frühjahr diesen Jahres wäre sehr gut gewesen. Aber nicht doch, er wurde als ein Kavaliersdelikt abgetan.

Es gibt bis heute kein Konzept zur Weiterführung der Deponie. Unser Antrag diesbezüglich wurde mehrheitlich ablehnt. Wegen fehlender Konzepte wird auf GML-Angebote gehofft, die die Kosten zumindest vorübergehend stabilisieren sollen. Aber Abfallwirtschaftspolitik fußt nicht auf dem Prinzip Hoffnung.

Zwei Beispiele mögen dies verdeutlichen:

§ die GML wollte vielleicht die Vergärungsanlage übernehmen (unser Millionenloch), nun will sie aber nicht mehr

§ die GML wollte vielleicht ein Zwischenlager in Framersheim errichten, nun will sie aber (zum Glück!) nicht mehr.

Jetzt muss der Kreis natürlich anders planen, er weiß nur nicht wie, und zwei Verträge zu bedienen ist nun einmal teuer.

Seit langem werden wir vertröstet. Es heißt die Verhandlungen mit MDF laufen. Wahrscheinlich werden sie auch weiter laufen... und laufen.. und der Gebührenzahler zahlt.. und zahlt....

Die beabsichtigte Gebührenerhöhung um 18 % sind eine erste Konsequenz aus den Versäumnissen und Fehlorientierungen der Vergangenheit.

Wir lehnen deshalb den Wirtschaftsplan ab.

Trotz der geschilderten Bedenken werden wir dem Haushaltsplan jedoch zustimmen; wohlwissend , dass das, was wir heute beschließen, schon in wenigen Wochen Makulatur sein wird. Die eigentliche Haushaltsdebatte 2005 wird wohl erst mit dem ersten Nachtragshaushaltsplan im kommenden Jahr stattfinden.

Wir danken den Mitarbeitern der Verwaltung für die im zurückliegenden Jahr geleistete Arbeit, insbesondere auch Herrn Morch und seinen Mitarbeitern für die Erstellung des Haushaltsplanentwurfs.

Wir danken den Mitgliedern der anderen Fraktionen für einen, trotz vereinzelter Grabenkämpfe, fairen Umgang miteinander.

Klaus Becker

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„Landesmeisterschaft im Schuldenmachen“

Kreistagsgrüne lehnen Kreishaushalt 2004 ab

Pressemitteilung zur Kreistagssitzung am 16. Dezember 2003

Der Entwurf des Kreishaushalts 2004 ist nach Ansicht der Kreistagsfraktion von Bündnis 90/DIE GRÜNEN in Ermangelung wesentlicher Planungsgrundlagen zustande gekommen. Solange in Berlin ein vielschichtiges Paket von Sozial-, Arbeitsmarkt- und Steuerreformen auf dem Tisch des Vermittlungsausschusses liege, wisse niemand wann, wie und mit welchen Auswirkungen auf die Kommunalfinanzen es schließlich in Kraft trete. Vor allem an die Unionsparteien richten die GRÜNEN denn auch ihren Appell die im Gesamtpaket enthaltene Gemeindefinanzreform mit einem Entlastungsvolumen von 10 Mrd. EUR bis 2005 nicht länger zu blockieren. Dies könne sich der Landkreis Alzey-Worms schon gar nicht leisten, dem es erneut gelungen sei mit einem Gesamtfehlbetrag von 10,6 Mio. EUR und einer Verschuldung von 74,5 Mio. EUR die "Landesmeisterschaft im Schuldenmachen" zu verteidigen.

Dabei lägen die Probleme nicht nur bei den Einnahmen. Konzeptionelle und strukturelle Handlungsspielräume zur Steigerung der Effizienz und Ausgabenkonsolidierung würden nach wie vor zu wenig genutzt. Statt dessen kündige man gar die Mitgliedschaft des Landkreises in der "Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsvereinfachung (KGSt)", welche in der Praxis erprobte Handreichungen hierzu erarbeitet habe.

Zudem sperre sich der Landkreis seit Jahren gegen eine engere Kooperation mit der Arbeitsverwaltung, die andernorts zu gemeinsamen Anlaufstellen und einer deutlichen Verbesserung der Arbeitsmarktintegration geführt habe. Völlig unverständlich sei auch der Wunsch der Landkreise, künftig Aufgaben der Arbeitsämter zu übernehmen. "Im Landkreis Alzey-Worms hat man es 7 Jahre nach Inkrafttreten der rechtlichen Verpflichtung noch immer nicht geschafft, die Arbeit in den Sozialämtern auf der Grundlage von Eingliederungsplänen zu organisieren, und damit mehr Integrationsqualität bei gleichzeitigen Kostensenkungen zu realisieren", so Fraktionssprecher Klaus Becker.

Mit Ausnahme der geplanten Schulturnhallen sind aktuelle Baumaßnahmen des Landkreises nach Ansicht der Bündnisgrünen zu aufwändig und teuer. Hier könne ebenso gespart werden wie bei den Mitteln für die Fraktionen. Auch könne es nicht länger angehen Parteigliederungen illegal aus Kreismitteln zu finanzieren, wie dies bei den Jugendverbänden der beiden großen Parteien geschehe, und zu Recht von der Aufsichtsbehörde gerügt werde.

Dagegen warnen die GRÜNEN vor einer Senkung von Standards in der Vorschulerziehung. Spätestens nach Veröffentlichung der PISA-Studie seien solche Überlegungen unverantwortlich.

Vor dem Hintergrund der geplanten Müllverbrennung vermisst Elisabeth Kolb-Noack, abfallpolitische Sprecherin der Kreistagsfraktion, Transparenz und zukunftsweisende Vermeidungs- und Verwertungskonzepte im Landkreis. Laut Landesabfallbericht wird in anderen Landkreisen in Rheinland-Pfalz wesentlich mehr Abfall verwertet. Der Landkreis Alzey-Worms fällt hier jährlich weiter zurück. Dem Wirtschaftsplan wollen die Bündnisgrünen ihre Zustimmung verweigern.

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Stellungnahme zum Haushaltsplan und Abfallwirtschaftsplan 2004

Kreistagsgrüne lehnen Kreishaushalt 2004 ab

Haushaltsrede in der Kreistagssitzung am 16. Dezember 2003

Es ist schon eine Herausforderung einen Haushaltsplanentwurf zu bewerten, der in Ermangelung ganz entscheidender Planungsgrundlagen erstellt wurde. Insofern ist es auch verzeihlich, dass die Orientierung im Wesentlichen an den Daten des Nachtragshaushalts erfolgte ohne Berücksichtigung schon absehbarer Entwicklungen in einzelnen Handlungsfeldern. Ich kann mich nicht erinnern, dass wir in den zurückliegenden Jahren schon einmal zum Jahresende in derart großer Unkenntnis über die zu erwartende Gesetzeslage gewesen wären wie dies aktuell der Fall ist. Der Haushalt, den wir heute beraten, kann schon morgen wieder Makulatur sein.

Da lag - und liegt - in Berlin ein vielschichtiges Paket von Arbeitsmarkt-, Sozial- und Steuerreformen beim Vermittlungsausschusses, von dem man in wesentlichen Teilen noch immer nicht recht weiß wann, wie und mit welchen Auswirkungen auf die kommunalen Finanzen es in Kraft treten wird. Dies lähmt unsere Planungen, die Wirtschaftsentwicklung und das ganze Land.

Diese Situation birgt auch Haushaltsrisiken. Was ist wenn die im Verbund mit den anderen Reformvorhaben konzipierte Gemeindefinanzreform zu kurz greift, - wonach es jetzt aussieht? Was, wenn anstelle der erhofften Entlastungen die im Haushaltsentwurf nicht berücksichtigten Risiken greifen, wie etwa die Erhöhung von Pflege- und Regelsätzen im Einzelplan 4 oder vermehrte Zuschüsse an die Verkehrsverbünde infolge der drastisch reduzierten hessischen Landesmittel? Soweit die Unwägbarkeiten unseres Haushaltes....

Andere Daten stehen fest:

  • Die Fehlbeträge aus drei Jahren addieren sich auf 16,54 Mio. EUR (3,6+5,69+7,25)

  • Die Verschuldung des Landkreises beträgt (ohne Berücksichtigung des Abfallbereichs) ca. 74 Mio. EUR (73,9 Mio. EUR in 2003), wofür wir Zinslasten von rund 3,9 Mio. EUR zu tragen haben. Das sind nahezu 600 EUR je Einwohner, - ein Spitzenwert in Rheinland-Pfalz.

  • Das Land treibt die Kreise durch die Einverleibung der Grunderwerbssteuer und die Verschlechterungen im Finanzausgleich von Jahr zu Jahr tiefer in die Verschuldung. Mehr noch als andere Landkreise wären wir auf die uns genommenen Grunderwerbssteueranteile angewiesen, um die durch das Bevölkerungswachstum verursachten Investitionen tätigen zu können.

Die Beratungen im Vorfeld dieser Kreistagssitzung waren von Resignation und Ratlosigkeit angesichts der katastrophalen Entwicklung der Kreisfinanzen gekennzeichnet.

Alle warteten auf die Gemeindefinanzreform und die damit verbesserte Einnahmesituation .

Selbstverständlich wäre dies ein Schritt nach vorne gewesen, da der Regierungsentwurf schon in der dem Bundesrat vorgelegten Fassung den Forderungen der kommunalen Spitzenverbände letztlich entgegenkam. Mit ihm wäre ein Entlastungsvolumen von 4,5 Mrd. EUR in 2004 und 5,5 Mrd. EUR in 2005 erreicht worden, was sich aus den Entlastungen durch die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe einerseits, sowie aus der Weiterentwicklung der Gewerbesteuer zu einer Gemeindewirtschaftssteuer andererseits zusammengesetzt hätte. Durch die Verbreiterung des Kreises der Steuerpflichtigen (Freiberufler) und die Erweiterung der Bemessungsgrundlage (um Zinsen, Mieten, Pachten und Leasingraten) wäre die Gewerbesteuer schließlich auch ein gutes Stück von der Konjunktur unabhängiger und für die Kommunen kalkulierbarer geworden.

Was nun am vergangenen Sonntag als Kompromiss vorgelegt wurde, enttäuscht uns. Der Berg kreißte und gebar eine Maus! Was eine Steuerreform werden sollte, ist zu einer zögerlichen Absenkung von Tarifen (19,9 auf 16%; 48,5 auf 45%) verkümmert. Was sich (bis jetzt zumindest) Gemeindefinanzreform nennt, bringt mit 2,5 Mrd. EUR nicht einmal die Hälfte der im Regierungsentwurf geplanten Entlastungen für die Kommunen. Um hierdurch nennenswerte konjunkturelle Effekte zu erwarten, muss man schon sehr optimistisch sein, zumal der durch die Steuersenkung erwirkte Kaufkraftgewinn in unserem (an Berufspendlern reichen) Landkreis zum Teil schon wieder durch die Reduzierung der Entfernungspauschale aufgezehrt wird. Immerhin kann wenigstens durch die Absenkung der Gewerbesteuerumlage von 28 auf 20% etwas mehr Geld in den Kassen der Kommunen verbleiben.

Keine Reform ist also so gut, als dass sie nicht noch zu verbessern wäre. Das gilt auch für den im Bundesrat ( übrigens mit unrühmlicher Enthaltung des Landes Rheinland-Pfalz ) abgelehnten Gesetzentwurf. Was uns aber in der Nacht von Sonntag auf Montag präsentiert wurde, ist keine wirkliche Verbesserung.

Die Diskussion um das Reformpaket ist noch lange nicht zu Ende. Noch haben wir die Hoffnung nicht aufgegeben, dass am Ende eine größere Entlastung für die Kommunen steht.

Der in den Haushaltsberatungen mehrfach geäußerten Einschätzung, dass nur die Einnahmen, nicht aber die Ausgaben ein Problem darstellten, mögen wir nicht folgen. Diese Auffassung impliziert erstens, dass bei den Ausgaben alle Möglichkeiten ausgeschöpft seien, und zweitens , dass die Verantwortung für unsere Handlungsspielräume ausschließlich in fremden Händen liegt; ..in der nicht anspringenden Konjunktur, im Unvermögen der Bundespolitik, in der Reformunfähigkeit. Es wird dabei verkannt, dass noch vorhandene - wenn auch kleine - Spielräume zu wenig genutzt werden.

Auf der Einnahmeseite müssen wir beispielsweise kritisieren, dass sich die bereits im Rechnungsprüfungsbericht kritisierten Beitreibungsrückstände offenbar auch im laufenden Jahr fortgesetzt haben.

Was das Kreisumlageaufkommen anbelangt, so hatten wir bereits mehrfach in den letzten Jahren angeregt der sehr unterschiedlichen Finanzkraft der Gemeinden unseres Landkreis durch eine progressiv gestaltete oder gesplittete Ausgestaltung des Umlagesatzes Rechnung zu tragen. §22 des Finanzausgleichsgesetzes sieht dies ausdrücklich vor, und ein Viertel der rheinland-pfälzischen Landkreise nutzt mittlerweile diese Möglichkeit. Wir möchten die Verwaltung an dieser Stelle bitten ( Aufnahme ins Protokoll !) eine Modellberechnung der Kreisumlage auf der Grundlage der in den Nachbarkreisen Mainz-Bingen und Donnersbergkreis praktizierten Verfahren vorzunehmen und dem Kreistag vorzulegen. Hierdurch haben wir die Möglichkeit die Auswirkungen dieser alternativen Berechnungsverfahren einmal praxisnah zu diskutieren.

Auf der Ausgabenseite haben uns vor allem die Baumaßnahmen tief in die Verschuldung getrieben. Die Notwendigkeit dieser Maßnahmen, gerade im schulischen Bereich, möchten wir nicht bestreiten. Wir haben sie in aller Regel mitgetragen, wenn wir auch bei den beiden Schulturnhallen im vergangenen Jahr die Auffassung vertraten, dass diese nicht unbedingt zum jetzigen Zeitpunkt hätten gebaut werden müssen. Immer häufiger drängt sich für uns dagegen die Frage auf, ob wir so bauen müssen, wie wir es noch immer in vielen Fällen tun. Bauwerke sind in erster Linie Denkmäler ihrer Zeit, und unsere Zeit ist unter anderem durch leere öffentliche Kassen geprägt. Schelten Sie mich einen Kulturbanausen, aber für uns heißt das , dass neu zu errichtende öffentliche Gebäude in Architektur und Wahl der Baustoffe streng funktional und schlicht sein müssen. Das ist auch der Rahmen, in dem sich die von uns beauftragten Architekten, bei allen verständlichen Wünschen nach gestalterischen Freiheiten, bewegen müssen. Die neuen Schulturnhallen in Alzey und Wörrstadt werden keine architektonischen Meisterwerke sein. Sie erfüllen aber ihren Zweck und passen deshalb in unsere Zeit.

Das Brandungskliff in Eckelsheim ist zweifellos ein einzigartiges Geotop. Es für uns und für die Nachwelt zu erhalten ist eine Verpflichtung. Die touristisch-museale Nutzung ist aus unserer Sicht jedoch in Frage zu stellen. Auch dies wäre ein Maßnahme, die nicht in unsere Zeit passt, die kaum zu mehr Einnahmen führen würde und die das Einzigartige dieser Formation vielleicht sogar zerstört. Das Kliff hat Jahrmillionen überdauert. Gefährdet wurde es erst durch menschlichen Eingriff. Wir sollten es wieder konservieren und in späteren, wirtschaftlich besseren Zeiten über weitere Maßnahmen beraten. Die Verpflichtungsermächtigung über 1 Mio. EUR sollte aufgehoben werden.

Laufende Ausgaben stehen nicht nur in engem Zusammenhang mit wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen, sondern auch mit der Effizienz behördlichen Handelns. In diesem Sinne begrüßen wir die bereits angelaufene Organisationsuntersuchung durch die Fa. Kienbaum, deren Ergebnisse zur Optimierung von Strukturen und Abläufen in der Verwaltung führen sollen. Wir haben dennoch Zweifel an der Bereitschaft der Verwaltung sich auf Empfehlungen einzulassen, die Strukturveränderungen mit sich bringen. Diese Zweifel wurden erneut genährt durch die jetzt zutage getretene Absicht die Mitgliedschaft des Landkreises in der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsvereinfachung (KGSt) aufzukündigen. Es hat eine gewisse Tradition in unserem Hause, dass Konzepte der KGSt gering geschätzt und als Bestandteil „neuer Steuerungsmodelle" abgetan werden. Das gleiche Schicksal erleiden durchaus qualifizierte und in anderen Verwaltungen erprobte Handreichungen der KGSt zum Qualitätsmanagement, zu Controlling, Planung, Evaluation und Vernetzung. Wir treten daher dafür ein die Mitgliedschaft des Landkreises in der KGSt erneut zu prüfen und beizubehalten.

Unsere Erfahrungen mit den Maßnahmen im Rahmen der „Hilfen zur Arbeit" sowie im Bereich der Jugendhilfe belegen seit Jahren, dass es gelingen kann mit gezielten Investitionen, im Zusammenwirken mit externen Dienstleistern, vor allem aber mit sorgfältigen und weitsichtigen Planungen Ausgaben selbst in schwer kalkulierbaren Arbeitsfeldern zu steuern.

Zuletzt wurde dies den Mitgliedern des Jugendhilfeausschusses anhand der Jugendhilfeplanung und des durchgängig praktizierten Hilfeplanverfahrens eindrucksvoll demonstriert.

Das ist der Weg, auf dem wir weiterarbeiten sollten und müssen, auch wenn - oder gerade weil - hier herkömmliche Arbeitsweisen und Strukturen überwunden werden. Mit mehr Effizienz und der Hebung von Standards lässt sich letztlich mehr sparen als mit der Senkung von Standards, wie sie so gerne vorgeschlagen wird. Gerade im Bereich von Erziehung und Bildung wäre eine Senkung von Standards nach den Ergebnissen der PISA-Studie verhängnisvoll.

Es gibt im Übrigen einen weiteren vielversprechenden Ansatz. Was im Bereich der Stadt Alzey mit dem Einstieg in eine sozialräumliche Planung begonnen wurde, das sollte auf der Ebene des Landkreises dringend dadurch nachvollzogen werden, dass bisher voneinander unabhängige Planungsverfahren in unserer Zuständigkeit zu einer miteinander vernetzten Arbeit verbunden werden. Nur so lassen sich Synergien erschließen und ein koordiniertes kostensparendes Vorgehen erreichen.

Die Ausgaben für soziale Sicherung und Jugendhilfe haben mit dem Einzelplan 4 das größte Gewicht im Verwaltungshaushalt. Die immensen Kosten entstehen in vielen Fällen dadurch, dass wir in Umsetzung von Bundes- und Landesrecht intervenieren müssen, um Notlagen und Gefährdungen von Bürgern zu begegnen. Diese kostenintensiven Akutmaßnahmen resultieren bei aller Unterschiedlichkeit der Einzelfälle auch aus der unzureichenden sozialen und beruflichen Integrationsfähigkeit unserer Gesellschaft. Aktuell besteht die große Gefahr, dass die schon beschlossenen und die z. Zt. diskutierten Sozialreformen ein weiteres Auseinanderdriften der Gesellschaft begünstigen, wie wir dies in anderen, vor allem angelsächsischen, Ländern schon beobachten können. Ich bezweifle, dass uns damit gedient ist, denn Ausgrenzung ist nicht nur das Unsozialste, sondern auch das längerfristig Teuerste, was wir uns erlauben können. Letztlich würde damit die Grundlage dafür geschaffen, dass wir künftig (selbst bei abgesenkten wirtschaftlichen Zuwendungen an Bedürftige) mit weitaus größerem Aufwand intervenieren müssten, um wenigstens die ärgsten Auswüchse einer solchen Entwicklung beherrschbar zu halten. Mehr als 2 Mio. EUR für 70 Kinder in stationärer Jugendhilfe sind viel; ..vielleicht auch zuviel, Herr Kollege Schnabel. Aber der uns entstehende Schaden bei Unterlassung dieser Maßnahmen wäre bedeutend höher (wenn man schon bei der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen Kosten-Nutzen-Rechnungen anstellen will).

Wir sollten uns bewusst machen, dass mit der Zunahme sozialer Gegensätze und Widersprüche die Verpflichtung zur gesellschaftlichen Integration zunimmt. Was im Einzelplan 4 mit den „Hilfen zur Arbeit" und einer Vielzahl präventiver Jugendhilfemaßnahmen begonnen wurde, kann dabei nur der Anfang sein. Hätten wir nicht schon vor Jahren damit begonnen diese Maßnahmen zu ergreifen, dann müssten wir uns heute mit einem ungleich höheren Haushaltsfehlbetrag auseinandersetzen.

Lassen Sie uns die Diskussion über Prävention und Integration nicht nur in Fachkreisen führen. Sie gehört in die Kommunalpolitik, weil wir es in der Hand haben Weichen zu stellen.

Der Antrag der Hauptschule in Osthofen auf Schulsozialarbeit, oder der Antrag der GRÜNEN auf sozialberaterische Hilfen für ausländische Mitbürger nach faktischer Abschaffung des Ausländerbeauftragten wären dann vermutlich auf einem anderen Niveau geführt worden.

Aus unserer Sicht sind konzeptionelle Unbeweglichkeit, fehlende Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Verfahren und das Festhalten an traditionellen Strukturen mitverantwortlich für die Ausgabenentwicklung im Kreishaushalt.

Nicht nachvollziehen können wir deshalb auch den Wunsch nach einer kommunalen Trägerschaft für die künftige Arbeitsmarktintegration. Der Landkreis sperrt sich seit Jahren gegen eine engere Kooperation mit der Arbeitsverwaltung, während andere Sozialhilfeträger hier sehr erfolgreiche Modelle zum beiderseitigen Nutzen entwickelt haben. Trotz rechtlicher Verpflichtung haben wir es in mehr als 7 Jahren nicht geschafft in unseren Sozialämtern die Arbeit auf der Grundlage von Eingliederungsplänen zu organisieren und damit mehr Integrationsqualität bei gleichzeitigen Kostensenkungen zu realisieren. Wir haben auf diesem Gebiet keinen Grund uns so weit aus dem Fenster zu lehnen. Wir sind der Auffassung, dass wir schnellstens die Kooperation mit der Arbeitsverwaltung zur Schaffung von Jobcentern suchen sollten. Eine kommunale Federführung bei der Arbeitsmarktintegration im Landkreis Alzey-Worms lehnen wir ab.

Sie sehen: Wir haben nicht nur Probleme bei den Einnahmen; wir haben sie auch auf der Ausgabenseite.

Verärgert haben uns weiterhin einzelne Haushaltsansätze, auch wenn sie von ihrem Volumen nicht besonders ins Gewicht fallen.

Dies gilt beispielsweise für weitere Kürzungen bei den Landespflegemaßnahmen, nachdem sich die Jägerschaft endgültig aus dem Naturschutz verabschiedet und bereitgestellte Mittel für Pflanzmaßnahmen nicht genutzt hat.

Die Mittel für die Fraktionen hätten um weitere 10% gekürzt werden können. Auch Politiker müssen unserer Ansicht nach mit gutem Beispiel vorangehen und ihre Bedürfnisse der Haushaltslage anpassen, wenn sie gleichzeitig von den Bürgern Verzicht und Mäßigung verlangen.

Das Gleiche gilt letztlich für die Parteien, die die Arbeit ihrer Jugendorganisationen aus eigener Kraft bestreiten sollten, ohne hierfür rechtswidrig Mittel unseres hoch verschuldeten Landkreises in Anspruch zu nehmen. Wir haben hierzu im Übrigen einen Änderungsantrag vorbereitet, den wir im Anschluss an die Stellungnahmen zum Haushalt noch erläutern werden.

Der Abfallwirtschaftplan sieht vor, 20 000 EUR mehr in Werbung und Öffentlichkeitsarbeit zu investieren. Gut so! Dies ist ein erster Schritt, um Defizite auf diesem Gebiet auszugleichen und umweltgerechtes Verbraucherverhalten anzuregen.

Es reicht aber nach unserer Auffassung nicht, lediglich eine weitere Auflage der Umweltzeitung herauszugeben und dann zu glauben, hiermit sei es getan. Es müssen neue Konzepte erstellt werden mit dem Ziel der Abfallverwertung, der Abfallvermeidung und damit auch der Gebührenverminderung.

Es ist bekannt, dass die Wertstoffhöfe sehr gut angenommen werden. Warteschlangen an Samstagen sind durchaus keine Seltenheit. Hierauf gilt es systematisch aufzubauen, was fehlt ist das System...

Was die Führung unseres Abfallwirtschaftsbetriebs anbelangt kritisieren wir weiterhin die „Entfremdung" zwischen Werksausschuss und den Anlagen, über die der Ausschuss zu befinden hat.

In den letzten 9 Jahren hat der Werksausschuss ganze zwei Mal die Deponie besichtigt. Wichtige Informationen, wie die Abfallbilanzen von Rheinland-Pfalz wurden weder ausgehändigt noch thematisiert. Seit Jahren wird der Ausschuss nicht mehr über die Grundwasserwerte informiert.

Obwohl es von unserer Seite immer wieder Anträge gab, was sowohl die Begehung als auch die Überwachung anbelangt, hat man diese Anliegen ignoriert.

Der Landkreis hat sich GML angeschlossen ohne vorher den Vertrag mit der Firma Hinkel anzupassen. Wir halten dies für ebenso fahrlässig wie seinerzeit den Deponievertrag selbst. Hier ist mit weiteren Kosten, die zu Lasten des Gebührenzahlers gehen, zu rechnen.

Herr Rohschürmann, die von Ihnen genannten Zahlen zur Abfallverwertung können wir nicht nachvollziehen. Sprechen Sie von Mengen oder Quoten? Werden von Ihnen DSD und Gewerbemüll mitgezählt oder nicht? Zählen Sie etwa die Restmüllverbrennung zur Verwertung? Wir haben zumindest andere Zahlen, und der Landesabfallbericht weist ebenfalls andere Zahlen und Entwicklungen für unseren Landkreis aus. Einen Auszug aus diesem Bericht finden Sie im Übrigen in der Anlage zum ursprünglichen Tagesordnungspunkt 1.

Im Bereich der Abfallwirtschaft werden aus unserer Sicht weder die Interessen des Landkreises, noch die der Gebührenzahler oder die der Umwelt in gebührender Form berücksichtigt. Wir lehnen daher den Abfallwirtschaftsplan 2004 ab.

Wir haben in unserer Stellungnahme zu Haushalts- und Wirtschaftsplan mit Kritik nicht gespart. Wir hoffen dennoch, dass Sie diese so konstruktiv aufnehmen, wie sie von uns gedacht ist. In diesem Sinne freuen wir uns auch vor dem Hintergrund einer so schwierigen Finanzlage auf die weitere Zusammenarbeit mit Ihnen im kommenden Jahr. Der Verwaltung danken wir für die geleistete Arbeit. Herrn Morch und Herrn Dittmann danken wir für die arbeitsintensive Erstellung des Haushalts- bzw. Wirtschaftsplans.

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Grüne sehen unzulässige Parteienfinanzierung

Kreishaushalt stellt 2.800 EUR für Jugendorganisationen der Parteien bereit

Änderungsantrag in der Kreistagssitzung am 16. Dezember 2003

Die Grünen-Fraktion hat im Kreistag beantragt, dass die Zuschüsse für die politischen Jugendorganisationen gestrichen werden. Nach Wertung der Grünen handelt es sich dabei um eine unzulässige Parteifinanzierung und die Mittel sollten der allgemeinen Jugendbildung zugute kommen. Hier der Antrag im Wortlaut:

Haushaltsplan 2004; Änderungsantrag

Sehr geehrter Herr Landrat,

zu dem vom Kreisausschuss am 02.12.2003 empfohlenen Entwurf des Haushaltsplans 2004 stellen wir den nachfolgenden Änderungsantrag, und bitten darum diesen im Kreistag vor Verabschiedung des Haushalts zu behandeln:

„Die Ausgaben unter der Haushaltsstelle 4511.7181 („Zuschüsse Politische Jugend“) von derzeit 2800 EUR werden gestrichen.“

Begründung:

Entgegen der Empfehlung des Jugendhilfeausschusses vom 28.Oktober 2003 wurde in der Sitzung des Kreisausschusses am 25.November 2003 erneut ein Ansatz von 1800 EUR für politische Jugendverbände beschlossen. Am 02. Dezember 2003 beschloss der Kreisausschuss sogar diesen Haushaltsansatz auf 2800 EUR zu erhöhen.

Bereits seit Jahren werden diese Ausgaben seitens der Aufsichtsbehörde gerügt, da es sich um eine verdeckte Parteienfinanzierung handelt. Die Kreistagsfraktion Bündnis 90 / DIE GRÜNEN teilt diese Auffassung, und hat die diesbezüglichen Ausgaben stets kritisiert. Es steht aus unserer Sicht außer Zweifel, dass es sich hier um eine rechtswidrige Verwendung von Haushaltsmitteln handelt. Die Mittel dienen ausschließlich der Finanzierung der politischen Arbeit der Jugendorganisationen von SPD und CDU. Eine Gleichbehandlung der politischen Parteien ist nicht zu erkennen, da andere Parteien entweder nicht über Jugendorganisationen verfügen oder aber eine verdeckte Finanzierung über Haushaltsmittel ablehnen. Ein überparteilicher Charakter dieser politischen Jugendbildung ist ebenfalls nicht anzunehmen.

Die Argumentation, es handle sich nicht um eine verdeckte Finanzierung von Parteigliederungen, sondern um eine von der übrigen Jugendbildung und Jugendarbeit unabhängige Sonderförderung für die politische Jugendbildung, lenkt von der eigentlichen Zielsetzung ab. Mehrfach hat die Fraktion Bündnis 90 / DIE GRÜNEN in der Vergangenheit nämlich angeregt die Haushaltsstelle in „Förderung der politischen Jugendbildung" umzuwidmen, um damit auch anderen Veranstaltern die Nutzung der Haushaltsmittel für eine entsprechende Bildungsarbeit zu ermöglichen. Alternativ hatten wir vorgeschlagen die Mittel den Haushaltsstellen 4514.7180 oder 4512.7181 zu übertragen, und damit die politischen Jugendverbände den übrigen Jugendorganisationen gleichzustellen. Diese Anregungen sind von den Fraktionen der SPD und der CDU stets zurückgewiesen worden. Dies unterstreicht die Absicht, nicht die allgemeine politische Jugendbildung zu fördern, sondern die eigenen Parteigliederungen.

Die den Fraktionen der übrigen Parteien übermittelte Anregung, doch gleichfalls ihre Jugendorganisationen in der vorgesehenen Weise zu finanzieren, stellt eine Aufforderung zur Missachtung der rechtlichen Grundlagen der Parteienfinanzierung dar.

Auch unabhängig von der rechtlichen Bewertung halten wir es angesichts der wirtschaftlichen Lage des Landkreises für unangemessen eine derartige Förderung der Arbeit von Parteigliederungen vorzunehmen. Die gegenwärtige Praxis ist zudem geeignet das Vertrauen der Bürger in Politik und politische Parteien zu schädigen.

Der Haushaltsansatz ist daher zu streichen.

Mit freundlichen Grüßen,

Klaus Becker

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Stellungnahme zum Nachtragshaushalt 2003

Prinzipielle Mängel des Haushalts bleiben bestehen / Kreistagsgrüne lehnen Nachtragshaushalt 2003 ab

Haushaltsrede in der Kreistagssitzung am 17. November 2003

Der Entwurf des Nachtragshaushaltsplans schließt mit einem gegenüber dem Basishaushalt geringeren Fehlbetrag von knapp 670 Tsd. EUR. Rechte Freude mag dabei dennoch nicht aufkommen.

Was bleibt ist die landesweit höchste Pro-Kopf-Verschuldung, die verlorene Hoffnung auf einen Haushaltsausgleich in den kommenden Jahren, sowie eine weitere Verschlechterung der Rahmenbedingungen. Dabei haben sich nicht nur die konjunkturellen Rahmenbedingungen verändert.